Website & Entwicklung
Ein starkes Website-Briefing schreiben (mit Vorlage)
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Ein starkes Website-Briefing schreiben Sie, indem Sie Ihre Ziele, Ihren Umfang und Ihre Anforderungen so konkret festhalten, dass ein Anbieter darauf ein realistisches Angebot rechnen kann, ohne raten zu müssen. Die kurze Fassung: Gehen Sie von Ihrem Geschäftsziel und den Anfragen aus, die Sie gewinnen wollen, beschreiben Sie, was die Website leisten soll und für wen, und seien Sie eindeutig bei Budgetrahmen, Terminen und Entscheidungswegen. Je schärfer dieses Dokument, desto besser und vergleichbarer die Angebote, die zurückkommen, und desto weniger zahlen Sie hinterher nach.
In diesem Artikel lesen Sie, was ein Briefing genau ist, warum es sich rechnet, welche Bestandteile hineingehören, welche Punkte im deutschsprachigen Raum zusätzlich dazugehören und wie Sie als Auftraggeber selbst startklar werden. Am Ende finden Sie eine Vorlage zum Übernehmen.
Was ein Website-Briefing genau ist
Ein Website-Briefing ist ein Dokument, in dem Sie beschreiben, was Sie bauen lassen wollen, warum und unter welchen Bedingungen. Wenn Sie dasselbe Dokument formell an mehrere Anbieter versenden und um ein Angebot bitten, sprechen viele von einer Angebotsanfrage oder Ausschreibung.
Im deutschsprachigen Raum begegnen Ihnen dabei zwei Begriffe, die oft verwechselt werden und deren Unterscheidung nützlich ist.
| Dokument | Wer schreibt es | Was drinsteht |
|---|---|---|
| Briefing oder Lastenheft | Sie als Auftraggeber | Was Sie erreichen wollen, für wen, unter welchen Bedingungen und mit welchen festen Anforderungen |
| Pflichtenheft oder Konzept | Der Anbieter, nach Auftragserteilung | Wie er es umsetzt: Struktur, Funktionen, Technik, Abnahmekriterien |
Der Unterschied ist mehr als Terminologie. Wenn Sie die Umsetzung schon im Briefing durchspezifizieren, schreiben Sie ein Pflichtenheft für einen Anbieter, den Sie noch nicht ausgewählt haben, und schließen dabei die besseren Lösungen aus, bevor jemand sie vorschlagen konnte.
Für eine B2B-Website von einiger Größe ist ein geschriebenes Dokument immer besser als eine mündliche Skizze, auch wenn Sie nur mit einem Anbieter sprechen: Es zwingt Sie, selbst zu klären, was Sie wirklich brauchen. Ein gutes Briefing ist dabei kein technisches Leistungsverzeichnis, sondern eine klare Darstellung Ihres Geschäfts, Ihrer Kunden und des gewünschten Ergebnisses, ergänzt um die Rahmenbedingungen.
Warum ein gutes Briefing bessere Angebote erzeugt
Ein präzises Briefing bringt Ihnen drei Dinge: bessere Angebote, faire Vergleiche und weniger Nachträge. Das ist kein Zufall, sondern die direkte Folge von Eindeutigkeit.
Wenn Anbieter genau wissen, was Ihr Ziel ist und was innerhalb und außerhalb des Umfangs liegt, können sie einen realistischen Preis und Termin nennen statt einer Schätzung ins Blaue. Wenn Sie stark auseinanderliegende Angebote zurückbekommen, liegt das häufig nicht an den Anbietern, sondern an einem Dokument, das zu viel Interpretationsspielraum ließ. Zwei Parteien, die etwas Unterschiedliches verstanden haben, lassen sich nicht fair vergleichen.
Der größte Gewinn liegt in der Vermeidung von Nachträgen. Nachträge entstehen fast immer, weil etwas nicht oder nur vage in der Vereinbarung stand: eine zusätzliche Sprache, eine Anbindung an Ihr CRM, mehr Seiten als gedacht, oder Inhalte, die es noch nicht gab. Was Sie vorher festhalten, steckt im Preis. Was Sie offen lassen, kommt später dazu, häufig zu einem Satz, den Sie dann nicht mehr vergleichen können. Ein gutes Briefing ist also keine Verwaltungsaufgabe, sondern Ihr größter Hebel auf die Endsumme. Wie Sie die Angebote anschließend gegeneinander stellen, beschreibt der Leitfaden zum Einholen eines Website-Angebots.
Welche Bestandteile hineingehören
Ein starkes Briefing deckt Ziele, Zielgruppe, Umfang, Inhalte, Technik, Termine und Rahmen ab. Nicht jeder Punkt braucht dieselbe Länge, aber keiner darf fehlen.
- Kontext zu Ihrem Unternehmen. Was tun Sie, für wen, und was unterscheidet Sie? Ein Anbieter, der Ihre Positionierung versteht, baut eine Website, die Vertrauen erzeugt, statt einer neutralen Broschüre. Der Eintrag zum Nutzenversprechen hilft, diesen Teil zu schärfen.
- Das Ziel der Website. Werden Sie konkret und geschäftlich. Im B2B läuft das meist auf mehr und bessere Anfragen hinaus: Kontaktaufnahmen, Erstgespräche, Angebotsanfragen. “Ein moderneres Erscheinungsbild” ist eine Folge, kein Ziel. Beschreiben Sie lieber, welches Verhalten Sie bei Besuchern auslösen wollen.
- Zielgruppe und deren Aufgabe. Wer kommt auf die Website, und was wollen diese Menschen dort erledigen? Je schärfer das beschrieben ist, desto gezielter werden Struktur und Texte.
- Umfang. Anzahl der Seiten oder Seitentypen, Sprachen, und was ausdrücklich dazugehört und was nicht. Nennen Sie unbedingt, was außerhalb liegt, das verhindert die meisten späteren Diskussionen.
- Inhalte. Wer liefert Texte, Bilder und Videos? Existieren sie schon oder müssen sie erst entstehen? Das ist in der Praxis die häufigste Verzögerungsursache, also benennen Sie es.
- Funktionale Anforderungen. Was die Website können muss: ein Formular, das ins CRM schreibt, ein Blog, Mehrsprachigkeit, ein Terminwerkzeug. Beschreiben Sie die Funktion, nicht sofort das Produkt.
- Technik und Schnittstellen. Bestehende Systeme, die angebunden werden müssen, Ihre Analyse- und E-Mail-Werkzeuge. Wenn Sie eine Präferenz oder eine Abneigung gegen eine Plattform haben, sagen Sie das, lassen Sie die Wahl aber möglichst offen.
- Termine. Ein Zieldatum und der Grund dahinter. Eine Fachmesse oder eine Produkteinführung ist ein echter Termin, “so schnell wie möglich” nicht.
- Budgetrahmen. Nennen Sie eine Größenordnung. Ein Rahmen hilft Anbietern, einen passenden Vorschlag zu machen, statt zu raten. Welche Faktoren den Aufwand treiben, ordnet die Übersicht dazu ein, was eine Website kostet.
- Entscheidungsweg. Wer ist Ansprechpartner und wer gibt frei? Ein kleines Team, das schnell entscheidet, ist der größte Beschleuniger jedes Webprojekts.
Anforderungen festhalten, ohne die Lösung vorzuschreiben
Die eigentliche Kunst ist, das Problem und das gewünschte Ergebnis zu beschreiben, nicht die technische Lösung. Das ist der Unterschied zwischen einem Briefing, das Raum für Fachkenntnis lässt, und einem Leistungsverzeichnis, das die besten Ideen schon ausgeschlossen hat.
Ein Beispiel. Schreiben Sie nicht “Wir wollen ein Aufklappmenü mit sechs Einträgen”. Schreiben Sie “Besucher müssen unsere drei Leistungsbereiche von jeder Seite aus sofort wiederfinden”. Der erste Satz schreibt eine Navigationsentscheidung vor, die vielleicht nicht die beste ist. Der zweite beschreibt das Ziel und lässt den Anbieter die passende Form vorschlagen. So bleiben die Angebote zusätzlich auf der Ebene des Vorgehens vergleichbar, statt darauf, wer Ihre Vorgabe am ordentlichsten ausgeführt hat.
Dasselbe gilt für die Plattform. Es gibt keine Plattform, die grundsätzlich die richtige ist. Ein Baukasten- oder Visual-Builder-Ansatz ist stark, wenn Gestaltungsfreiheit und schnelle Umsetzung zählen und der Funktionsumfang überschaubar bleibt. Ein verbreitetes Open-Source-System ist stark, wenn Sie viele Inhalte, viele Redakteure und ein großes Angebot an Erweiterungen brauchen, verlangt dafür aber laufende Pflege. Eine individuelle oder entkoppelte Architektur ist stark, wenn Sie besondere Anforderungen an Datenmodell, Leistung oder Integration haben, und teuer, wenn nicht. Schreiben Sie deshalb selten eine Plattform zwingend vor. Formulieren Sie stattdessen die Anforderung, etwa “Unser Marketingteam muss Seiten selbst veröffentlichen können, ohne Entwickler”, und lassen Sie den Anbieter begründen, welche Plattform dazu passt. Was das im Alltag bedeutet, beschreibt der Beitrag dazu, wie Sie eine Website selbst bearbeiten.
Bei den nicht verhandelbaren Punkten sollten Sie dagegen hart sein. Eine erforderliche CRM-Anbindung, eine zusätzliche Sprache oder eine rechtliche Pflicht gehören schwarz auf weiß ins Dokument. Wer den Unterschied zwischen einer festen Anforderung und einer Präferenz sauber markiert, hilft dem Anbieter, die richtigen Abwägungen zu treffen.
Was im deutschsprachigen Raum zusätzlich hineingehört
Vier Punkte kommen hier hinzu, die in vielen Briefing-Vorlagen fehlen und im Nachhinein teuer werden.
Barrierefreiheit. Für einen wachsenden Kreis von Anbietern ist digitale Barrierefreiheit keine Kür mehr. In Deutschland setzt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz die europäischen Vorgaben um und betrifft unter anderem Angebote im elektronischen Geschäftsverkehr; Österreich und die Schweiz haben eigene Regelungen mit vergleichbarer Stoßrichtung. Ob und wie weit Sie betroffen sind, klären Sie rechtlich, nicht mit der Agentur. Ins Briefing gehört die Anforderung selbst: nach welchem Standard gearbeitet wird, wer prüft, und ob eine Erklärung zur Barrierefreiheit Teil der Lieferung ist. Die Grundlagen stehen in den Einträgen zu Barrierefreiheit und zu den WCAG.
Pflichtangaben und Rechtstexte. Impressum, Datenschutzerklärung und, je nach Geschäft, weitere Pflichtinformationen sind kein Nachgedanke, sondern eigene Seiten mit eigener Verantwortlichkeit. Halten Sie fest, wer die Texte liefert, wer sie prüft und wer sie pflegt.
Datenschutz und Auftragsverarbeitung. Sobald ein Anbieter Zugriff auf personenbezogene Daten hat, etwa über Formulare, Analysewerkzeuge oder das Hosting, brauchen Sie eine vertragliche Grundlage dafür. Nehmen Sie in das Briefing auf, dass ein Auftragsverarbeitungsvertrag Teil der Beauftragung ist, und fragen Sie nach dem Standort der eingesetzten Dienste. Beides zu klären, bevor gebaut wird, ist deutlich einfacher, als eine fertige Website nachträglich umzubauen.
Einwilligung und Messung. Wenn Sie messen wollen, wie die Website wirkt, muss die Einwilligungslogik mitgeplant werden. Ein Consent-Aufbau, der erst nach dem Start dazukommt, verändert regelmäßig die Zahlen, an denen der Erfolg gemessen werden sollte. Nehmen Sie deshalb in den Umfang auf, welche Ereignisse gemessen werden und wie das mit der Einwilligung zusammenspielt.
Sind Sie selbst startklar?
Ein gutes Briefing setzt voraus, dass Sie selbst bereit sind mitzubauen. Die meisten Webprojekte verzögern sich nicht in der Umsetzung, sondern weil der Auftraggeber nicht rechtzeitig liefern oder entscheiden kann. Prüfen Sie vorher vier Punkte.
Inhalte. Existieren Texte und Bilder schon, oder müssen sie erst entstehen? Wer schreibt, und wer gibt frei? Rechnen Sie das nicht zu knapp: In der Praxis ist es häufig der längste Teil des Projekts.
Zugänge. Domain, Hosting, Analysewerkzeug und das bestehende Redaktionssystem. Klären Sie früh, ob Zugänge bei einem früheren Dienstleister liegen und wie lange es dauert, sie zu bekommen. Das ist die am häufigsten unterschätzte Verzögerung überhaupt.
Entscheidungen. Vereinbaren Sie intern, wer über Gestaltung, Text und Technik abzeichnet, damit der Anbieter nicht auf fünf Meinungen wartet. Eine benannte Person mit Mandat schlägt jedes Gremium.
Erwartungen. Eine Website ist ein Hebel für Anfragen, kein Wundermittel. Sie wirkt am besten als Teil eines größeren Systems mit belastbaren Inhalten, einer klaren Positionierung und einer durchdachten Bedienführung. Wer das vorher klar hat, schreibt ein realistischeres Briefing. Was den Unterschied zwischen einer schönen und einer wirksamen Website ausmacht, beschreibt der Beitrag zum conversionorientierten Webdesign.
Vorlage zum Übernehmen
Übernehmen Sie die folgende Gliederung und füllen Sie sie aus. Halten Sie es kurz und konkret, ein paar Sätze je Punkt reichen meist.
- Über uns: was wir tun, für wen, was uns unterscheidet.
- Ziel der Website: welches konkrete Ergebnis, etwa mehr qualifizierte Anfragen, und welches Verhalten wir auslösen wollen.
- Zielgruppe: wer kommt, und welche Aufgabe wollen diese Besucher erledigen.
- Umfang: Anzahl Seiten oder Seitentypen, Sprachen, was ausdrücklich dazugehört und was nicht.
- Inhalte: was existiert, was fehlt, wer liefert, wer gibt frei.
- Funktionale Anforderungen: Pflicht und Wunsch getrennt aufgeführt.
- Technik und Schnittstellen: anzubindende Systeme, Präferenzen oder Ausschlüsse.
- Rechtliches: Barrierefreiheit, Pflichtangaben, Auftragsverarbeitung, Einwilligung und Messung.
- Termine: Zieldatum und der Grund dahinter.
- Budgetrahmen: eine Größenordnung, gern mit der Bitte um Aufschlüsselung je Position.
- Ablauf: Ansprechpartner, wer freigibt, und nach welchen Kriterien Sie die Angebote bewerten.
- Nach dem Start: wer pflegt, aktualisiert und betreut die Website anschließend.
Der letzte Punkt wird regelmäßig vergessen und entscheidet über die Gesamtkosten der nächsten Jahre. Klären Sie schon im Briefing, ob Pflege und Weiterentwicklung Teil des Angebots sein sollen und in welcher Form. Was in eine solche Vereinbarung gehört, beschreibt der Beitrag zum Website-Wartungsvertrag.
Wenn Sie es eine Stufe professioneller wollen, legen Sie vorhandene Wireframes oder eine grobe Seitenstruktur bei und schreiben Sie dazu, wie Sie die Angebote gewichten: nach Vorgehen, B2B-Erfahrung und Preis zusammen, nicht nach Preis allein.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Briefing, Lastenheft und Ausschreibung?
Inhaltlich wenig. Das Briefing ist Ihr Dokument mit Zielen, Umfang und Anforderungen. Lastenheft ist der formalere Begriff für dasselbe, meist mit strengerer Gliederung. Von einer Ausschreibung spricht man, wenn Sie dasselbe Dokument formell an mehrere Anbieter versenden und um Angebote bitten. Wenn Sie als öffentliche Stelle beschaffen, gelten dafür zusätzlich eigene Vergaberegeln, die Sie vor dem Versand klären sollten.
Soll ich ein Budget nennen?
Ja, mindestens eine Größenordnung. Ohne Rahmen raten Anbieter, und Sie bekommen Vorschläge, die entweder am Bedarf vorbeigehen oder untereinander nicht vergleichbar sind. Wenn Sie befürchten, dadurch zu viel zu zahlen, bitten Sie um eine Aufschlüsselung je Position. Dann sehen Sie, wofür das Geld eingesetzt wird, und können einzelne Posten streichen.
Wie vermeide ich Nachträge?
Indem Sie Umfang, Inhalte und Entscheidungsweg vorher festhalten. Nachträge entstehen fast immer aus dem, was nicht oder vage vereinbart war. Nennen Sie ausdrücklich, was außerhalb des Umfangs liegt, und legen Sie fest, wie mit Änderungswünschen während des Projekts umgegangen wird.
Wie lang sollte ein Briefing sein?
So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Für eine B2B-Website reichen oft wenige Seiten. Es zählen Vollständigkeit und Eindeutigkeit, nicht die Länge. Ein Dokument, das niemand liest, hilft niemandem.
An wie viele Anbieter sollte ich das Briefing schicken?
Drei bis vier reichen. Mehr Angebote führen nicht zu einer besseren Entscheidung, sondern nur zu mehr Vergleichsarbeit, und für die Anbieter sinkt der Anreiz, ernsthaft Zeit zu investieren, je größer das Feld ist.
Kann ich das Briefing nach dem Versand noch ändern?
Ja, aber dann für alle gleichzeitig und schriftlich. Eine Änderung, die nur ein Anbieter kennt, macht den Vergleich wertlos und beschädigt das Vertrauen, mit dem die Zusammenarbeit später starten soll.
Kurz gefasst
Ein starkes Website-Briefing beschreibt Ihre Ziele, Ihren Umfang und Ihre Anforderungen klar genug, um realistische und vergleichbare Angebote zu bekommen, und konkret genug, um Nachträge zu vermeiden. Beschreiben Sie Problem und Ergebnis statt der technischen Lösung, nehmen Sie Barrierefreiheit, Pflichtangaben und Datenschutz von Anfang an in den Umfang, und sorgen Sie dafür, dass Sie selbst mit Inhalten, Zugängen und Entscheidungen bereit sind.
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