Website & Entwicklung
Gehosteter Baukasten, offenes CMS oder Eigenbau: was Sie jeweils aufgeben
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Die Frage, auf welcher Plattform Ihre Website laufen soll, wird fast immer technisch geführt: Funktionen, Geschwindigkeit, Erweiterbarkeit. Das ist die weniger folgenreiche Hälfte. Die Entscheidungen, die Sie in drei Jahren spüren, sind kaufmännisch und vertraglich: Wem gehört was, wie fest sitzen Sie fest, wer haftet, wenn etwas passiert, und was kostet der Ausstieg.
Dieser Artikel behandelt genau diese Achse, für die drei Kategorien, in die praktisch jedes Angebot fällt: den gehosteten Baukasten, das selbst betriebene offene System und den Eigenbau. Welche SEO-Kontrollen ein System bieten muss, ist eine eigene Frage, und die beantwortet der Artikel zur CMS-Auswahl für SEO. Hier geht es um alles, was danach kommt.
Die drei Kategorien, kurz abgegrenzt
Der gehostete Baukasten. Sie mieten ein Gesamtpaket: Bearbeitungsoberfläche, Betrieb, Aktualisierungen und Sicherheit kommen vom selben Anbieter. Sie zahlen laufend und betreiben nichts selbst.
Das offene System. Eine frei verfügbare Software, die Sie oder Ihre Agentur auf einem selbst gewählten Server betreiben. Sie zahlen für Hosting und Betreuung, nicht für die Software, und Sie tragen die Verantwortung für den Betrieb.
Der Eigenbau. Eine für Sie entwickelte Anwendung, oft mit einem entkoppelten Redaktionssystem dahinter. Sie zahlen einmalig für die Entwicklung, laufend für Betrieb und Weiterentwicklung.
Wichtig vorweg: Das ist keine Reihenfolge von Amateur zu Profi. Ein sauber aufgesetzter Baukasten trägt viele B2B-Websites problemlos, und ein schlecht gebauter Eigenbau ist ein Klotz am Bein. Die Qualität steckt in der Ausführung, nicht in der Kategorie.
Eigentum: der Punkt, den Angebote selten benennen
Hier liegt der größte Unterschied, und er steht in keinem Funktionsvergleich.
Bei einem gehosteten Baukasten mieten Sie. Sie besitzen Ihre Inhalte und Ihre Domain, aber nicht das System, in dem beides lebt, und nicht die Gestaltung in der Form, in der sie dort existiert. Endet das Abonnement, endet die Website.
Bei einem offenen System besitzen Sie den Betrieb. Die Software selbst gehört niemandem im üblichen Sinn, sie ist lizenziert. Was Ihnen gehört, ist Ihre Installation, Ihre Datenbank und die für Sie erstellten Anpassungen, sofern das im Vertrag so geregelt ist.
Beim Eigenbau ist Eigentum eine Vertragsfrage, und zwar diejenige, die am häufigsten falsch geregelt wird. Ohne ausdrückliche Regelung verbleibt das Urheberrecht an einer Software beim Entwickler. Sie erwerben ein Nutzungsrecht, dessen Umfang genau das ist, was im Vertrag steht. Wenn dort nichts über Weitergabe, Bearbeitung und Weiterentwicklung durch Dritte steht, können Sie später nicht ohne Weiteres einen anderen Dienstleister damit beauftragen.
Zwei weitere Punkte gehören in dieselbe Klausel: die Abgrenzung zwischen Werkvertrag und Dienstvertrag, weil davon Ihre Abnahme- und Mängelrechte abhängen, und der Umgang mit fremden Komponenten. Praktisch jeder Eigenbau enthält offene Bibliotheken mit eigenen Lizenzbedingungen. Lassen Sie sich eine Liste dieser Komponenten geben, bevor Sie abnehmen.
Bindung ist eine abgestufte Größe, kein Zustand
Der Begriff Bindung wird meist so verwendet, als wäre er ein Schalter: Man sitzt fest oder nicht. Tatsächlich zerfällt er in fünf Ebenen, die sich völlig unterschiedlich verhalten. Diese Tabelle ist der nützlichste Teil des Artikels, weil sie die Frage konkret macht, die Sie stellen sollten: Was genau nehme ich mit, wenn ich gehe?
| Was Sie mitnehmen wollen | Gehosteter Baukasten | Offenes System | Eigenbau |
|---|---|---|---|
| Texte und Bilder | Meist als Export möglich, oft ohne Struktur | Vollständig, inklusive Struktur | Vollständig, sofern Schnittstelle vorhanden |
| Gestaltung | Nicht übertragbar, an das System gebunden | Als Vorlage übertragbar, mit Anpassungsaufwand | Übertragbar, wenn die Rechte geregelt sind |
| URL-Struktur | Übertragbar, aber oft mit Zwangsschema | Frei, deshalb sauber übertragbar | Frei |
| Formulardaten und Kontakte | Export meist möglich, Historie oft nicht | Vollständig | Vollständig |
| Integrationen zu CRM und ERP | Neu zu bauen | Neu zu bauen, aber dokumentiert | Neu zu bauen |
| Redaktions- und Änderungshistorie | Geht in der Regel verloren | Bleibt in der Datenbank | Bleibt, wenn so gebaut |
| Der Betrieb selbst | Nicht übertragbar | Frei wählbarer Anbieter | Frei wählbarer Anbieter |
Die aufschlussreichste Zeile ist die zweite. Bei einem gehosteten System bekommen Sie beim Ausstieg in der Regel Ihre Inhalte, nicht aber eine lauffähige Kopie Ihrer Website. Ein Export liefert statisches Material, keine funktionierende Seite. Ein Wechsel ist deshalb ein Neubau mit Inhaltsübernahme, kein Umzug. Das ist kein Ausschlussgrund, aber es gehört in die Rechnung, bevor Sie sich entscheiden, und nicht erst, wenn Sie wechseln wollen. Wie ein solches Vorhaben abläuft, beschreibt der Artikel zur CMS-Migration.
Haftung: wer schuldet Sicherheit und Aktualisierungen
Diese Frage klärt kaum jemand vorab, und sie wird genau dann relevant, wenn es unangenehm wird.
| Gehosteter Baukasten | Offenes System | Eigenbau | |
|---|---|---|---|
| Sicherheitsaktualisierungen der Basis | Anbieter, automatisch | Sie oder Ihre Agentur, laufend | Ihr Entwickler, laufend |
| Aktualisierung von Erweiterungen | Entfällt weitgehend | Ihre Aufgabe, das Hauptrisiko | Betrifft eingebundene Bibliotheken |
| Ausfall des Betriebs | Anbieter, laut dessen Bedingungen | Ihr Hoster, laut Vertrag | Ihr Hoster, laut Vertrag |
| Datenschutzvereinbarung nötig | Ja, mit dem Anbieter | Ja, mit dem Hoster | Ja, mit dem Hoster |
| Serverstandort wählbar | Oft nicht | Ja | Ja |
| Wer haftet bei einem Datenabfluss | Sie als Verantwortlicher, Anbieter als Auftragsverarbeiter | Sie, mit Ihrer Agentur als Auftragsverarbeiter | Sie |
Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem viele Einkaufsdiskussionen enden sollten und stattdessen erst beginnen. Datenschutzrechtlich bleiben Sie Verantwortlicher, egal auf welcher Plattform Ihre Website läuft. Was der Anbieter Ihnen abnimmt, ist Arbeit, nicht Verantwortung. Deshalb ist eine belastbare Auftragsverarbeitungsvereinbarung, ein bekannter Serverstandort und eine Liste der Unterauftragnehmer keine Formalie, sondern eine Auswahlfrage, die ein Angebot beenden kann, bevor die technische Bewertung beginnt. Wo Daten liegen und warum das im DACH-B2B regelmäßig zum Ausschlusskriterium wird, behandelt der Artikel zu EU-Hosting und DSGVO.
Bei der zweiten Zeile liegt das praktische Alltagsrisiko. Ein selbst betriebenes offenes System ist genau so sicher, wie seine Erweiterungen gepflegt werden. Je mehr Zusatzbausteine, desto größer die Angriffsfläche und desto höher der laufende Aufwand. Was in einen tragfähigen Wartungsvertrag gehört, beschreibt der Artikel zum Wartungsvertrag und SLA.
Barrierefreiheit ist inzwischen ein Plattformkriterium
Seit Mitte 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das die europäische Richtlinie umsetzt. Es verpflichtet einen erheblichen Teil der Anbieter, die Dienstleistungen gegenüber Verbrauchern elektronisch anbieten, zu barrierefreien digitalen Angeboten. Kleinstunternehmen sind bei Dienstleistungen weitgehend ausgenommen, und reine B2B-Angebote fallen anders aus als Verbrauchergeschäfte. Prüfen Sie Ihren Fall, statt ihn zu unterstellen.
Für die Plattformwahl folgt daraus eine konkrete Frage, die Sie in jedes Angebot schreiben sollten: Kann das System überhaupt eine zugängliche Ausgabe erzeugen, und wer schuldet die Konformität? Bei einem gehosteten Baukasten hängt das an dessen Vorlagen und Bausteinen, die Sie nicht ändern können. Bei einem offenen System und beim Eigenbau ist es eine Frage der Umsetzung, also Ihres Auftrags. In allen drei Fällen gilt: Der Anbieter erklärt Ihnen sein Werkzeug für geeignet, verantwortlich für die veröffentlichte Seite bleiben Sie.
Die Gesamtkosten über die Laufzeit
Der Anschaffungspreis ist der uninteressanteste Teil der Rechnung. Rechnen Sie stattdessen über einen realistischen Zeitraum von etwa fünf Jahren und über alle Positionen, die tatsächlich anfallen. Wir nennen hier bewusst keine Zahlen, weil sie je nach Umfang, Land und Anbieter zu weit auseinanderliegen, um nützlich zu sein. Nützlich ist die vollständige Liste der Posten.
| Kostenposten | Gehosteter Baukasten | Offenes System | Eigenbau |
|---|---|---|---|
| Erstellung | Niedrig bis mittel | Mittel | Hoch |
| Laufende Lizenz oder Abonnement | Dauerhaft, steigt mit Nutzerzahl und Sprachen | Keine für die Basis, Erweiterungen möglich | Keine |
| Betrieb und Hosting | Im Abonnement enthalten | Separat, frei wählbar | Separat, frei wählbar |
| Laufende Pflege | Gering | Der größte Posten über die Zeit | Mittel, planbar |
| Änderungen durch das eigene Team | Meist möglich | Meist möglich | Nur im vorgesehenen Rahmen |
| Weiterentwicklung | Begrenzt durch das System | Erweiterungen oder Entwicklung | Entwicklung |
| Ausstiegskosten | Hoch, faktisch ein Neubau | Niedrig bis mittel | Mittel |
| Risiko einer Preisänderung des Anbieters | Vorhanden, einseitig | Nicht für die Basis | Nicht vorhanden |
Zwei Zeilen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die vorletzte, weil Ausstiegskosten in Angebotsvergleichen praktisch nie auftauchen und in der Gesamtrechnung den Ausschlag geben können. Und die letzte, weil ein Abonnementmodell dem Anbieter erlaubt, den Preis anzupassen, während Ihre Wechselkosten mit jedem Jahr steigen. Wird zusätzlich in einer Fremdwährung abgerechnet, kommt eine Wechselkursbewegung dazu, die Sie nicht steuern.
Wann wächst ein Unternehmen aus dem Baukasten heraus?
Es gibt keinen Punkt, an dem ein Baukasten schlecht wird. Es gibt Signale, dass sein Zuschnitt nicht mehr zu Ihnen passt. Vier davon sind zuverlässig.
Der Umfang strukturierter Inhalte. Sobald Sie nicht mehr Seiten pflegen, sondern Datensätze, also Produkte, Standorte, Referenzen, Personen, die in mehreren Ansichten kombiniert erscheinen sollen, stoßen gehostete Systeme an eine Grenze. Sie sind selten relationale Datenbanken, und die Verknüpfungstiefe zwischen Inhaltstypen ist begrenzt.
Mehrsprachigkeit. Sobald Sie mehrere Sprachfassungen mit getrennten Inhalten führen und nicht nur übersetzen, wird die Frage nach sauberen Sprachauszeichnungen und getrennter Pflege konkret. Wie das technisch aussehen muss, beschreibt der Artikel zu hreflang-Tags.
Integrationen. Sobald Ihre Website Daten mit CRM, ERP oder einem Kundenportal austauschen soll, wird die Frage nach Schnittstellen entscheidend. Was dabei zu klären ist, steht im Artikel zu API-Integrationen.
Redaktionsrollen. Sobald mehrere Personen mit unterschiedlichen Rechten arbeiten und Freigaben nötig werden, brauchen Sie ein Rollen- und Rechtemodell. Wo diese Grenze im Alltag verläuft, beschreibt der Artikel zum Selbstbearbeiten im CMS.
Wie Sie dann tatsächlich wählen
Wählen Sie nach der Schwäche, die Sie tragen können, nicht nach der Stärke, die am besten klingt. Jede Kategorie hat einen Preis, und der Preis ist bei allen dreien ein anderer.
- Der gehostete Baukasten kostet Sie Unabhängigkeit. Sie kaufen Ruhe im Betrieb und zahlen mit Bindung und begrenzter Entwicklungsfähigkeit. Sinnvoll, wenn Ihr Inhalt überschaubar ist, Ihr Team klein und technisches Betreiben ausdrücklich nicht Ihre Aufgabe sein soll.
- Das offene System kostet Sie laufende Sorgfalt. Sie kaufen Freiheit und ein großes Angebot an Erweiterungen und zahlen mit Pflegeaufwand und Sicherheitsverantwortung. Sinnvoll, wenn Sie einen verlässlichen Betreuungspartner haben und viel selbst redaktionell steuern wollen.
- Der Eigenbau kostet Sie Anfangsinvestition und Abhängigkeit von Personen. Sie kaufen genaue Passung und ein sauberes Fundament und zahlen mit Aufwand und der Notwendigkeit, die Rechte vertraglich korrekt zu regeln. Sinnvoll, wenn Ihre Website eine geschäftskritische Funktion hat, die es fertig nicht gibt.
Wir arbeiten plattformunabhängig und beraten von Fall zu Fall. Wer Ihnen ohne Kenntnis Ihres Zusammenhangs eine feste Antwort gibt, verkauft eine Meinung, keine Beratung. Nicht selten lautet unser Rat, beim bestehenden System zu bleiben und stattdessen an dem zu arbeiten, was auf den Seiten steht. Wie wir das angehen, steht auf der Seite zum Website erstellen lassen.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein gehosteter Baukasten unprofessionell?
Nein. Die Kategorie sagt nichts über die Qualität des Ergebnisses. Was sie sagt, ist, welche Entscheidungen Sie später noch treffen können und welche nicht. Eine sauber gebaute Seite auf einem gehosteten System schlägt einen schlecht gepflegten Eigenbau in jeder relevanten Hinsicht.
Wem gehört unsere Website, wenn eine Agentur sie gebaut hat?
Das steht ausschließlich in Ihrem Vertrag. Ohne Regelung erwerben Sie ein Nutzungsrecht in dem Umfang, der dem Vertragszweck entspricht, und das reicht regelmäßig nicht für eine Weiterentwicklung durch Dritte. Klären Sie außerdem, wem Domain, Analytics-Konto, Werbekonten und die Zugänge zum Hosting gehören. Das sind vier getrennte Fragen.
Was ist der häufigste teure Fehler bei dieser Entscheidung?
Die Plattform nach der Anfangsinvestition zu wählen und die Ausstiegskosten nicht zu betrachten. Der zweithäufigste ist, die Frage überhaupt als einmalige zu behandeln. Es ist eine Entscheidung mit einer Halbwertszeit, und Sie sollten sie alle paar Jahre bewusst überprüfen, statt sie beim nächsten Neuanlauf einfach fortzuschreiben.
Sollten wir für die Entscheidung eine Ausschreibung machen?
Für einen Eigenbau ja, für die anderen beiden meist nicht. Wichtiger als das Verfahren ist ein Briefing, das die kaufmännischen Fragen dieses Artikels enthält. Was hineingehört, beschreibt der Artikel zum Website-Briefing.
Können wir später zwischen den Kategorien wechseln?
Ja, aber nicht gleich leicht in alle Richtungen. Von einem offenen System oder einem Eigenbau weg ist ein Umzug. Von einem gehosteten Baukasten weg ist ein Neubau mit Inhaltsübernahme. Planen Sie deshalb den Wechsel schon beim Einstieg mit, indem Sie Ihre Inhalte in einer Form pflegen, die sich exportieren lässt.
Wollen Sie das für Ihren Fall abwägen?
Nennen Sie uns Ihr Ziel, Ihr Team und Ihre Wachstumspläne, und wir sagen Ihnen ehrlich, welche der drei Kategorien passt, auch wenn die Antwort lautet, dass Sie bleiben sollten, wo Sie sind. Vereinbaren Sie Ihr kostenloses Erstgespräch.
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